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Wien

Autor: Peter Willroider
Überarbeitung und Verantwortung: Renate Pfoser-Almer

In Wien waren/sind 2022 ca. 30.000 Personen an Demenz erkrankt, bis zum Jahr 2050 wird die Zahl auf ca. 60.000 Personen verdoppeln (Wiener Demenzstrategie 2022). 

Jeder Mensch, der an einer Demenz erkrankt ist, hat andere Wünsche, Bedürfnisse, Sorgen und Ängste, aber auch ganz persönliche Talente und Fähigkeiten, die trotz der Krankheit erhalten bleiben. Diese Erkenntnis bildet in Wien jahrelang die Grundlage für eine würdevolle Begleitung, Betreuung und Pflege von Menschen mit Demenz. 

Betreuungs- und Pflegeleistungen 

Für Menschen mit demenziellen Veränderungen gibt es in Wien ein umfassendes Leistungsangebot im Bereich der Betreuung und Pflege. Das Casemanagement des Fonds Soziales Wien (FSW) informiert und berät dazu alle betreuungs- und pflegebedürftigen Wiener:innen. Die Angebote mit inklusivem Ansatz zum Thema Demenz beinhalten: 

Leistungen in der extramuralen Pflege und Betreuung: 

  • Mobile Betreuungs- und Pflegedienste: Hauskrankenpflege, Heimhilfe, Besuchsdienst, Alltagsbegleitung und Palliativbetreuung ermöglichen pflegebedürftigen Menschen ein Verbleiben im eigenen Zuhause. Die Pflegearbeit orientiert sich an evidenzbasierten Leitlinien für Demenz.
  • Kontaktbesuchsdienst: Dieser Service richtet sich an Menschen ab 70 Jahren und bietet Informationen zu altersgerechten Angeboten, insbesondere bei Demenz.  
  • Stoma- und Kontinenzberatung: Unterstützt Menschen mit Demenz, ihre Kontinenzfähigkeit zu erhalten oder zu verbessern.
  • Seniorinnen- und Senioren-Wohngemeinschaften fördern ein selbstbestimmtes Leben und wirken Einsamkeit entgegen, indem sie soziale Kontakte ermöglichen.
  • Integrativ-geriatrische Tageszentren: bieten Betreuung für demenziell erkrankte Menschen und entlasten pflegende Angehörige.
  • Spezielle Angebote für Betroffene von demenziellen Erkrankungen.
  • Tageszentrum Demenz: bietet spezifisch angepasste Betreuungs- und Therapieangebote für Menschen mit fortgeschrittener Demenz.
  • Betreutes Wohnen und Pflegeplätze: für pflegebedürftige Personen ab Pflegegeldstufe 3, geregelt durch das Wiener Pflegeheimgesetz.
  • Spezielle Demenz-Angebote im Wohnbereich.
  • Betreutes Wohnen und Pflegeplätze für Demenz: für Menschen mit fortgeschrittener Demenz, einschließlich spezieller Pflegeplätze bei Blindheit und Sehbehinderung. Diese Einrichtungen bieten erweiterte Pflege-, Therapie- und Betreuungsangebote.

Länderportrait

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Integrierte Versorgung Demenz 

Seit April 2016 existiert die „Integrierte Versorgung Demenz“, die der Psychosoziale Dienst (PSD) gemeinsam mit dem FSW und der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) ins Leben gerufen hat. Durch aufeinander abgestimmte Maßnahmen, von der frühzeitigen Diagnose bis hin zur kontinuierlichen Behandlung und Betreuung, wird den Betroffenen adäquate Hilfe und Unterstützung angeboten, die dadurch zu einer wesentlichen Verbesserung des Gesundheitszustandes der Menschen und damit ihrer Lebensqualität beitragen. 

Wiener Demenzstrategie 

Im April 2022 wurde die Wiener Demenzstrategie veröffentlicht, das Ergebnis intensiver, koordinierter Bemühungen der Plattform Demenzfreundliches Wien. Diese Strategie, die in einem mehrjährigen Prozess gemeinsam mit rund 70 Organisationen, den demenzfreundlichen Bezirken sowie Betroffenen und ihren Angehörigen erarbeitet wurde, bekräftigt erneut das Engagement der Stadt Wien, das Leben von Menschen mit Demenz und ihren Bezugspersonen nachhaltig zu verbessern. 

Plattform Demenzfreundliches Wien 

Die Plattform Demenzfreundliches Wien dient als zentrale Anlaufstelle für alle, die sich für Demenzfreundlichkeit einsetzen. In einem interdisziplinären und überparteilichen Netzwerk arbeiten Projektgemeinschaften, Initiativen und Stakeholder aus verschiedensten Bereichen sowie alle 23 Wiener Bezirke zusammen. Das Hauptziel ist die Schaffung optimaler Lebensräume für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen. Unter der Koordination des Teams der „Senior:innenbeauftragten“ der Stadt Wien sind mittlerweile rund 50 Organisationen, Bildungsinstitutionen sowie öffentliche Stellen wie die Wiener Linien, Wiener Wohnen, die Polizei und die Wiener Bezirke involviert. Im Fokus steht dabei, mehr Bewusstsein und Akzeptanz zu schaffen, um Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen den Alltag zu erleichtern und ein gutes Leben im vertrauten Umfeld zu ermöglichen.

Demenz sichtbar machen und Ängste abbauen 

Indem Wien Demenz in den Fokus der Öffentlichkeit rückt, schaffen wir Bewusstsein und reduzieren Berührungsängste. Sichtbarkeit ermöglicht ein besseres Verständnis, fördert Offenheit im Umgang mit Betroffenen und trägt dazu bei, Vorurteile abzubauen. So können Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen in ihrem Alltag mehr Unterstützung und Akzeptanz erfahren. 

Anlässlich des Welt-Alzheimertages werden regelmäßig verschiedene Aktionen gesetzt. Erstmals wurde 2023 dabei der animierte Demenzerklärfilm vorgestellt, der einen zentralen Baustein der Arbeit der Plattform Demenzfreundliches Wien darstellt. Der Film, der sich an den Zielen der Wiener Demenzstrategie orientiert, ist eine wichtige Maßnahme zur Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung der Wiener Bevölkerung. 

Seit 2022 tourt der Fonds Soziales Wien rund um den Welt-Alzheimertag mit einem Demenzbus durch die Stadt. Der Bus thematisiert verschiedene Schwerpunkte wie Gesundheit, Wohnen mit Demenz, Jugendliche und ihre Berührungspunkte mit Demenz, Sicherheit für Betroffene, kulturelle Teilhabe sowie Bewegung als präventive Maßnahme. Betroffene, Angehörige und Interessierte können sich vor Ort von Mitarbeiter:innen beraten lassen, während Fachkräfte tiefere Einblicke in ihre Arbeit geben und wertvolles Wissen zur Weiterentwicklung für Einsteiger:innen in diesem Themenbereich bereitstellen.

Wissen schafft Sicherheit 

Im Jahr 2023 wurden durch den FSW verschiedene Demenzstudien in Auftrag gegeben, unter anderem führte das Zentrum für Soziale Innovationen (ZSI) im Zuge der Recherchestudie Interviews mit Expertinnen und Experten und einen internationalen Peer-Learning-Workshop durch, um im internationalen Vergleich von „Best-Practice-Demenzstrategien“ für die Wiener Demenzstrategien lernen zu können. Weiters wurden Interviews mit den Vertreterinnen und Vertretern der Bundesländer und mit Partnerorganisationen in Österreich in Bezug auf „Demenzberatungszentren in Österreich“ geführt, mit vorliegenden Ergebnissen. Im Zuge der qualitativen Studie führte Makam Research Interviews und Fokusgruppen mit Menschen mit Demenz und pflegenden Angehörigen im Zeitraum Dezember 2022 und Jänner 2023 durch. Bei Menschen mit Demenz standen besonders das Thema Einsamkeit und die eigene Akzeptanz der Diagnose im Vordergrund. Sie empfinden den Umgang der Gesellschaft mit Demenz als mangelnde Empathie und „höfliches Desinteresse“, schätzen aber die Unterstützungsangebote. Besonders die Tageszentren sind für sie als Ort für die eigene Entfaltung und Entlastung für die pflegenden Angehörigen wichtig. Im November und Dezember 2023 führte das Gallup-Institut eine repräsentative Befragung zu Themen rund um Demenz mit 1.000 Personen ab 18 Jahren in Wien per Onlinebefragung durch.

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Die aktuelle Situation in Wien im Bereich der Demenzversorgung zeigt, dass die bisherigen Aktivitäten und Maßnahmen weitgehend im Einklang mit den bestehenden Herausforderungen stehen. 

Dennoch stellt die künftige demografische Entwicklung zusammen mit dem zunehmenden Pflegebedarf eine erhebliche Herausforderung dar. Die Zahl der an demenzerkrankten Personen wird sich in den nächsten 25 Jahren auf etwa 60.000 verdoppeln. Diese Prognosen verdeutlichen die Dringlichkeit, bestehende Maßnahmen weiter zu intensivieren bzw. zu entwickeln, um der wachsenden Zahl von Betroffenen gerecht zu werden und eine umfassende und bedarfsgerechte Versorgung sicherzustellen.

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Die Diagnose Demenz bringt erhebliche emotionale und praktische Herausforderungen für Betroffene und ihre Angehörigen mit sich und ist oft mit Stigmatisierung sowie sozialer Isolation verbunden. Die Situation wird zusätzlich durch Faktoren wie den aktuellen Pflegepersonalmangel und finanzielle Belastungen aufgrund steigender Lebenshaltungskosten verschärft. Diese Umstände wirken sich direkt auf die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Familien aus und belasten das soziale Gefüge der Stadt. 

In diesem herausfordernden Umfeld zeigt sich Wien als eine soziale Stadt, die aktiv gegen die Probleme vorgeht, mit denen Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen konfrontiert sind. Die beschriebenen Maßnahmen tragen dazu bei, dass Menschen mit Demenz in ihrem vertrauten Umfeld bleiben können und gleichzeitig die notwendige Unterstützung erhalten. 

Trotz der umfassenden Maßnahmen steht die Stadt Wien vor der Aufgabe, kontinuierlich die bestehenden Herausforderungen zu bewältigen und gleichzeitig die Chancen der gut koordinierten Demenzstrategie zu nutzen. Die Stärkung des öffentlichen Bewusstseins und die kontinuierliche Weiterentwicklung der Versorgungsstrukturen sind entscheidend, um die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Familien nachhaltig zu verbessern. In einer sozialen Stadt wie Wien ist es essenziell, dass alle Akteure gemeinsam an Lösungen arbeiten, um den Bedürfnissen dieser wachsenden Bevölkerungsgruppe gerecht zu werden. 

Die bereits gesetzten Aktivitäten im Rahmen der nationalen und Wiener Demenzstrategie, der integrierten Versorgung für Menschen mit Demenz, der Plattform Demenzfreundliches Wien sowie die intensive Öffentlichkeitsarbeit bieten sowohl Herausforderungen als auch Chancen. Eine der großen Herausforderungen besteht darin, die Vielzahl an Initiativen und Akteuren effektiv zu koordinieren und die Versorgung über Sektoren hinweg zu integrieren. Gleichzeitig eröffnen diese Maßnahmen enorme Chancen: Durch die Sensibilisierung der Öffentlichkeit, etwa durch den Demenzerklärfilm und den Demenzbus, wird das Bewusstsein für Demenz gestärkt und Vorurteile werden abgebaut. Die Zusammenarbeit zwischen zahlreichen Stakeholdern ermöglicht die Schaffung eines demenzfreundlichen Lebensumfelds, in dem Betroffene und ihre Angehörigen mehr Unterstützung und Teilhabe erfahren können. Diese enge Verknüpfung von Versorgungsangeboten und Öffentlichkeitsarbeit trägt dazu bei, nachhaltige Lösungen zu entwickeln und eine langfristige Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Demenz zu erreichen

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Trotz aller bereits gesetzten Maßnahmen ist es von entscheidender Bedeutung, kontinuierlich das aktuelle Bild in der Stadt zu betrachten und die Wirksamkeit der bestehenden Initiativen regelmäßig zu evaluieren. Die dynamische Entwicklung der Demenzversorgung und die sich verändernden Bedürfnisse der Bevölkerung erfordern eine fortlaufende Anpassung und Optimierung der Maßnahmen. Es müssen stets neue bzw. neu dimensionierte Leistungsangebote geschaffen werden, um den sich wandelnden Anforderungen gerecht zu werden. Dabei darf das Wohl der Wiener:innen niemals aus dem Blick geraten. Jede Entscheidung und jede Maßnahme muss weiterhin darauf ausgerichtet sein, die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen nachhaltig zu verbessern und die Unterstützung so effektiv und bedarfsgerecht wie möglich zu gestalten.

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Umsetzungen

Sensibilisierung und Teilhabe