Vorarlberg
Autor:innen: Nikolaus Blatter, Silvia Doleschal
Der Vorarlberger Sozialfonds wurde 1998 vom Land Vorarlberg und den 96 Gemeinden als Finanzierungs- und Steuerungsinstrument im Sozialbereich geschaffen. Im Strategiepapier 2030 werden die Herausforderungen, Handlungsspielräume und Steuerungsmöglichkeiten in den im Sozialfonds zusammengefassten Themenfeldern beschrieben und Handlungsanleitung gegeben.
Diese sind auch für die Umsetzung der Demenzstrategie maßgebend. Ein Arbeitsschwerpunkt des Fachbereiches „Senioren und Pflegevorsorge“ ist die laufende und nachhaltige Verbesserung der (geronto-)psychiatrischen Versorgung im ambulanten und stationären Betreuungs- und Pflegebereich.
In Vorarlberg wurden schon sehr frühzeitig Angebote mit gerontopsychiatrischem Schwerpunkt (ambulant, stationär und teilstationär) gesetzt. Die inhaltliche Anpassung, personelle Ausweitung und die Verschränkung mit dem Regelangebot des Pflege- und Betreuungsnetzes ist aufgrund der soziodemografischen Entwicklungen und der Pathogenese innerhalb der alternden Bevölkerung ein wichtiges Unterfangen.
In Vorarlberg wird die Demenzstrategie im Rahmen der Aktion Demenz umgesetzt, welche bereits im Jahr 2007 mit dem Ziel gegründet wurde, die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu verbessern. 2020 waren in Vorarlberg 5.600 Personen an Demenz erkrankt, bis zum Jahr 2050 wird die Zahl auf ca. 10.000 Personen ansteigen (aktion-demenz.at).

Länderportrait
Ursprünglich als lokales Projekt gestartet, hat sich die Aktion Demenz zu einer landesweiten Initiative mit einer Vielzahl von Maßnahmen entwickelt. In den vergangenen 10 Jahren wurden erhebliche Fortschritte gemacht, um das Bewusstsein und die Unterstützung für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen zu verbessern.
Modellgemeinden und -regionen
Ein zentraler Bestandteil der Aktion Demenz ist die Bildung von Modellgemeinden und -regionen. Diese Gemeinden und Regionen setzen spezifische Maßnahmen um. Sie bieten Schulungen, Veranstaltungen und Informationsmaterialien an, die auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz und deren Angehörigen zugeschnitten sind. In den vergangenen 10 Jahren ist die Zahl der Modellgemeinden und -regionen auf 54 gewachsen.
Sensibilisierungsarbeit
Ein wichtiger Aspekt der Arbeit der Aktion Demenz ist die Sensibilisierung der Gesellschaft. Durch Vorträge, Lesungen, Filmvorführungen und kreative Projekte wird das Bewusstsein für das Thema Demenz geschärft und Vorurteile werden abgebaut. Durch die Vielzahl an Angeboten und Maßnahmen wurde erreicht, das Thema Demenz in den öffentlichen Diskurs zu bringen und zur Enttabuisierung beizutragen.
Unterstützung und Netzwerke
Die Aktion Demenz hat ein starkes Netzwerk aus Fachleuten, Gemeinden und Freiwilligen aufgebaut, das kontinuierlich wächst. Dieses Netzwerk ist die Grundlage für die verschiedenen Unterstützungsangebote, die von persönlichen Beratungsgesprächen bis hin zu regelmäßigen Veranstaltungen reichen. Die Zusammenarbeit und der Austausch innerhalb dieses Netzwerks tragen wesentlich zum Erfolg der Initiative bei.
Auszeichnungen und Anerkennung
Die Aktion Demenz hat für ihre Arbeit mehrere Auszeichnungen erhalten. Diese Anerkennungen unterstreichen die Bedeutung und den Erfolg der Initiative in den vergangenen 10 Jahren.
Die aktuellen Angebote und Maßnahmen der Aktion Demenz sind vielfältig und auf die Bedürfnisse der Betroffenen abgestimmt. Im folgenden werden einige der Maßnahmen vorgestellt:
Breites Unterstützungsangebot
Aktuell bietet die Aktion Demenz eine Vielzahl von Unterstützungsangeboten an, die auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen abgestimmt sind. Über 60 Prozent der Bevölkerung in Vorarlberg haben Zugang zu unbürokratischen Unterstützungs- und Informationsangeboten. Hier wird auf die Berichte der Plattform Aktion Demenz verwiesen: www.aktion-demenz.at/ueber-uns/berichte-zum-download/
Schulungen und Veranstaltungen
In den Modellgemeinden und -regionen werden regelmäßig Schulungen für Angehörige, Fachkräfte und Ehrenamtliche angeboten. Diese Schulungen vermitteln wichtige Kenntnisse im Umgang mit Menschen mit Demenz und tragen zur Verbesserung der Betreuung bei. Zudem werden zahlreiche kulturelle und soziale Veranstaltungen organisiert, die das Thema Demenz in die Öffentlichkeit tragen.
Kreative Projekte
Kreative Projekte wie das „Erzählprojekt“ oder die „Werkraumschule Bregenzerwald“ spielen eine wichtige Rolle bei der Sensibilisierungsarbeit. Diese Projekte ermöglichen es Betroffenen und Nicht-Betroffenen, in einen Dialog zu treten und gemeinsame Erfahrungen zu teilen.
Persönliche Beratung
Neben den öffentlichen Veranstaltungen und Schulungen bietet die Aktion Demenz auch persönliche Beratungsgespräche an. Diese Beratungen sind ein wichtiger Bestandteil der Unterstützungsangebote und helfen Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen, individuelle Lösungen und Hilfen zu finden. Dieses Angebot soll im Rahmen des Projekts „Post Diagnostic Supports“ weiterentwickelt werden.
Trotz der bisherigen Erfolge stehen der Aktion Demenz weiterhin bedeutende Herausforderungen bevor, die gleichzeitig Chancen bieten.
Enttabuisierung
Eine der größten Herausforderungen besteht darin, das Thema Demenz weiter zu enttabuisieren. Trotz der bisherigen Erfolge gibt es noch immer viele Vorurteile und Wissenslücken in der Gesellschaft. Die Aktion Demenz arbeitet kontinuierlich daran, diese Barrieren abzubauen und das Verständnis für die Erkrankung zu fördern. Die Enttabuisierung soll beispielsweise einen offeneren Zugang zum Thema Demenz ermöglichen, welcher auch positive Auswirkungen auf Forschungsmöglichkeiten (z.B. sozialwissenschaftliche Studien zur Lebensrealität pflegender Angehöriger etc.) haben kann.
Demenzfreundliche Gesellschaft
Die Schaffung einer demenzfreundlichen Gesellschaft ist ein langfristiges Ziel der Aktion Demenz. Dies erfordert umfassende Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen, von der städtebaulichen Gestaltung bis hin zur Schulung von Fachkräften und Ehrenamtlichen.
Innovative Projekte
Die Aktion Demenz sieht große Chancen in innovativen Projekten, die neue Wege gehen, um Menschen mit Demenz zu unterstützen. Projekte wie „Humor in der Pflege“ oder das „Musikkuriere“-Programm sind Beispiele für kreative Ansätze, die das Wohlbefinden von Menschen mit Demenz verbessern können.
Engagement der Gemeinden
Das wachsende Engagement der Gemeinden ist eine positive Entwicklung und bietet zahlreiche Chancen. Immer mehr Gemeinden erkennen die Bedeutung der Unterstützung von Menschen mit Demenz und beteiligen sich an der Initiative. Diese Entwicklung trägt zur flächendeckenden Verbesserung der Lebensqualität bei.
Die Aktion Demenz hat klare Ziele und Pläne für die zukünftige Entwicklung ihrer Initiativen und Projekte.
Erweiterung der Aktivitäten
Die Aktion Demenz plant, ihre Aktivitäten weiter auszubauen und noch mehr Gemeinden in die Initiative zu integrieren. Ziel ist es, die Reichweite der Unterstützungsangebote zu vergrößern und noch mehr Menschen zu erreichen.
Post Diagnostic Support
Nach der Diagnose sind Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen oft überfordert und allein. Für die Sicherstellung der Qualität der Begleitung von Menschen mit Demenz und deren Angehörigen nach der Diagnose sollen Voraussetzungen für einen niederschwelligen, flexiblen und individuelleren Zugang zu Beratung und Begleitung, eine längerfristige Unterstützung, interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie die Berücksichtigung und Unterstützung der gesamten betroffenen Familie geschaffen werden.
Digitalisierung
Ein wichtiger Fokus für die Zukunft liegt auf der Digitalisierung. Durch den Einsatz digitaler Technologien sollen neue Unterstützungsangebote geschaffen und bestehende verbessert werden. Dies umfasst beispielsweise die Entwicklung von Onlineschulungen und digitalen Informationsplattformen.
Zusammenarbeit mit kulturellen Institutionen
Die Zusammenarbeit mit kulturellen Institutionen wie Museen und Theatern soll intensiviert werden. Diese Kooperationen bieten die Möglichkeit, das Thema Demenz noch stärker in den öffentlichen Diskurs zu bringen und innovative Sensibilisierungsprojekte umzusetzen.
Langfristige Ziele
Langfristig strebt die Aktion Demenz an, eine vollständig demenzfreundliche Gesellschaft zu etablieren. Dies bedeutet, dass Menschen mit Demenz ohne Barrieren am sozialen Leben teilhaben können und umfassende Unterstützung erhalten. Die Initiative wird weiterhin daran arbeiten, das Bewusstsein in der Gesellschaft zu schärfen und die Lebensqualität von Menschen mit Demenz nachhaltig zu verbessern. Eine Verschränkung aller Maßnahmen und Angebote sowohl in der Sensibilisierung als auch in der Intervention ist das langfristige Ziel im Rahmen der Demenzstrategie Vorarlberg. Detaillierte Informationen sind auf der Homepage der Aktion Demenz zu finden: www.aktion-demenz.at.
Umsetzungen