Tirol
Autorinnen: Petra Jenewein, Katrin Prem
Eine gute Begleitung und Betreuung von Menschen mit Demenz ist ein gemeinschaftliches Anliegen des Landes Tirol, der Sozialversicherungsträger, der Gemeinden sowie aller Leistungserbringer in den verschiedenen Sektoren des Gesundheits- und Sozialwesens.
Die Koordinationsstelle Demenz am Landesinstitut für Integrierte Versorgung Tirol ist beauftragt, die Empfehlungen der Österreichischen Demenzstrategie in Tirol umzusetzen. Eine umfassende Darstellung der Leistungsangebote in Tirol ist über die Website verfügbar.
Sowohl ein großes zivilgesellschaftliches Engagement als auch die Beteiligung und Teilhabe von Menschen mit Demenz werden sich zukünftig als unentbehrlich für das Gelingen einer demenzgerechten Lebensgestaltung erweisen.
Eine Hochrechnung ergibt, dass zu Beginn des Jahres 2030 in Tirol geschätzt 15.850 Personen von einer demenziellen Erkrankung betroffen sein werden. Dies entspricht einem Anstieg von rund 3.500 Personen bzw. 28 Prozent im Vergleich zum Jahr 2020 (eigene Berechnung Amt der Tiroler Landesregierung Abt. GesKA, basierend auf Bevölkerungsdaten Statistik Austria 2022 und Alzheimer Europe 2019).

Länderportrait
Im Jahr 2017 wurde die Koordinationsstelle Demenz Tirol (www.demenz-tirol.at) eingerichtet. Die Koordinationsstelle agiert in folgenden 5 Handlungsfeldern, die sich an den Wirkungszielen der österreichischen Demenzstrategie orientieren:
- Zielgerichtete Information über Unterstützungsangebote in Tirol sicherstellen
- Auf- und Ausbau eines nachhaltigen Netzwerks fördern
- Information und Sensibilisierung durch begleitende Öffentlichkeitsarbeit sicherstellen
- Angebote zur Stärkung von Kompetenzen bereitstellen
- Erarbeitung zukünftiger Versorgungskonzepte
Das Land Tirol verfolgt gemeinsam mit den Trägern der mobilen, teilstationären und stationären Pflege in Tirol den integrativen Ansatz der Betreuung und Pflege von Menschen mit demenziellen Erkrankungen. Neben einigen wenigen speziell für Demenz ausgewiesenen Angeboten nehmen alle Einrichtungen in Tirol Menschen mit Demenz bei entsprechend vorhandenen Kapazitäten zur Pflege und Betreuung auf.
In den kommenden Jahren wird sich die pflegerische und fachärztliche Versorgung von Menschen mit Demenz aufgrund der demografischen Entwicklung und des Fachkräftemangels herausfordernd gestalten. Es könnte zu längeren Wartezeiten bei Unterstützungsangeboten kommen. Junge Betroffene bedürfen zudem einer besonders intensiven Betreuung und Begleitung. Dem gegenüber steht das Voranschreiten von wissenschaftlichen Entwicklungen. Brain Health gilt als mögliches Schlagwort sowohl in der Prävention als auch in der Behandlung von Menschen mit Demenz. Der Einsatz von telemedizinischen Unterstützungs- und Behandlungsmethoden gibt ebenfalls Hoffnung. Zudem können unterstützte Selbsthilfe und ehrenamtliche Begleitungen etc. die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren An- und Zugehörigen deutlich verbessern.
Integrierte Versorgung Demenz
Dem in der Gesundheitsreform neu definierten Prinzip „digital vor ambulant vor stationär“ folgend, werden in Tirol in den kommenden Jahren integrierte, also sektorenübergreifende Versorgungskonzepte für Menschen mit Demenz und ihre An- und Zugehörigen handlungsleitend sein. Es gilt, demenzgerechte Versorgungsangebote weiter auszubauen und entsprechend zu adaptieren. Auf Gemeindeebene braucht es zusätzliche Anreize, um eine demenzsensible Gestaltung von Lebensräumen zu fördern. Eine spezifische peridiagnostische Begleitung im Sinne einer Unterstützung rund um die Diagnosestellung ist dabei eines der Ziele. Zudem wird es weiterhin unumgänglich sein, durch öffentlichkeitswirksame Aktionen, Angebote und Informationsveranstaltungen die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz und ihren An- und Zugehörigen in Tirol verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.