Salzburg
Autorin: Claudia Bernhard-Kessler
Anhand Schätzungen der Prävalenzdaten für Menschen mit Demenz (60+) wurden in Salzburg für 2020 insgesamt 8.275 (5,76 %) Personen mit demenzieller Erkrankung und darauf aufbauend 10.400 (5,88 %) für das Jahr 2030 prognostiziert. Ausgehend von dieser Datenlage sind in der Landeshauptstadt ca. 3.000 Menschen an Demenz erkrankt (Höfler et al. 2015; Österreichische Gesundheitskasse 2024).

Länderportrait
Rückblickend auf die vergangenen zehn Jahre kann das Bundesland Salzburg ein flächendeckendes Angebot an bedarfsorientierter Unterstützung für Menschen mit Demenz und deren Zu- und Angehörigen aufzeigen. Einerseits wurden angepasst an die 7 Wirkungsziele der Demenzstrategie neue Produkte bzw. Angebote entwickelt und andererseits bereits bestehende Strukturen weiter ausgebaut und für den aktuellen Bedarf adaptiert. Ein Überblick der Leistungen im Bundesland ist der Homepage der Demenzstrategie Österreich zu entnehmen (demenzstrategie.at/de/Umsetzungen/Burgenland.htm).
Für die Abklärung von kognitiven Beeinträchtigungen gibt es Angebote im stationären bzw. ambulanten sowie im niedergelassenen Bereich. Wobei Abklärungen im ambulanten Setting über die Memory-kliniken mittlerweile an zwei Standorten im Bundesland Salzburg angeboten werden, und zwar am Universitätsklinikum Salzburg – Christian-Doppler-Klinik, Abteilung für Neurologie und Abteilung für Geriatrie, sowie am Kardinal Schwarzenberg Klinikum im Pongau. Die Gedächtnisambulanzen bieten neben der Abklärung im Rahmen der Diagnostik bei kognitiven Störungen auch die Therapie und Verlaufskontrollen an. Am Standort der Neurologie werden ca. 600 und an der Geriatrie 240 Patientinnen und Patienten pro Jahr gezählt (Universitätsklinikum Salzburg et al. 2024).
Ambulante und stationäre Angebote - Land Salzburg
Beginnend mit dem Land Salzburg, Abteilung für Soziales, wird seit 2008 eine Pflegeberatung angeboten. Aus einem Kernteam im Zentralraum konnte die Serviceleistung aufgrund des steigenden Bedarfs stetig ausgebaut und regionalisiert werden. Seit Jänner 2023 gibt es in allen Bezirken eine Beratungsstelle, wo erfahrene Mitarbeiter:innen aus Pflege und Sozialarbeit rund um das Thema Pflege und Demenz informieren, beraten und unterstützen. Dies erfolgt telefonisch oder persönlich in den Beratungsstellen sowie auf Wunsch als Hausbesuch. Das Angebot der Demenzberatung wurde in diesem Zusammenhang seit Anfang 2022 bis Mitte 2024 insgesamt 2.221-mal in Anspruch genommen (Land Salzburg 2024b).
Damit Menschen mit erhöhtem Betreuungs- und/oder Pflegebedarf, insbesondere Menschen mit Demenz, länger zu Hause verbleiben und um Angehörige in ihrer Pflegetätigkeit zu entlasten, werden Angebote wie die Tagespflege in einem Tageszentrum und die Angehörigenentlastung im häuslichen Setting vom Land Salzburg finanziell gefördert. Mittlerweile gibt es 30 Tageszentren im gesamten Bundesland, im Vergleich zu 19 Tageszentren im Jahr 2014 (Land Salzburg 2024d) (Tageszentren Land Salzburg 2024). Im Herbst 2020 wurde ergänzend zu den mobilen Diensten und der stationären Tagesbetreuung die Angehörigenentlastung als neues Produkt geschaffen und bis Juni 2024 über 400-mal von pflegenden Angehörigen in Anspruch genommen (Land Salzburg 2024a).
Obwohl auch in Salzburg die Prämisse „ambulante vor stationärer Versorgung“ gilt, nehmen Seniorenheime speziell zur Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz in einem fortgeschrittenen Stadium eine gewichtige Rolle ein. Mit Stand Juni 2024 gibt es in Salzburg insgesamt 75 Seniorenheime, davon werden 14 bereits in Form eines Hausgemeinschaftsmodells geführt bzw. wurden Teilbereiche nach diesem Modell strukturiert. Das Ziel der Hausgemeinschaften, im Sinne einer ganzheitlichen Betreuung, ist die Schaffung einer möglichst normalen Lebenssituation durch kleinere und abgeschlossene Einheiten, was sich insbesondere bei Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen förderlich auf Alltagsfähigkeit und Teilhabe auswirken kann (Land Salzburg 2023; Land Salzburg 2024c).
Regionale Angebote in der Stadt Salzburg
Bezogen auf die Stadt Salzburg geht man davon aus, dass 10 Prozent der Stadtbevölkerung mit dem Thema Demenz konfrontiert sind (Erkrankte und deren Zu- und Angehörige). Um eine optimale Versorgung zu ermöglichen, hat die Stadt bereits im Jahr 2015 mit ihrer Strategie „Konfetti im Kopf“ ein Bündel an Maßnahmen geschnürt. In den 3 Tageszentren der Stadt und in den städtischen Seniorenwohnhäusern wird großer Wert auf demenzsensible Pflege und Betreuung gelegt. In Angehörigentreffs steht der Umgang mit den herausfordernden Betreuungssituationen im Mittelpunkt. Darüber hinaus versucht der städtische Kontaktbesuchsdienst Menschen mit Demenz durch Hilfsmaßnahmen ein Leben zu Hause zu ermöglichen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Schulung systemrelevanter Berufsgruppen und wichtiger Stakeholder. „Konfetti im Kopf“ steht für einen inklusiven Umgang mit Menschen mit Demenz und unter der Devise, ein gutes Leben für alle zu ermöglichen (Stadtgemeinde Salzburg 2024).
Demenz Service Salzburg
Das Präventionsprojekt Demenz Service Salzburg besteht seit 2020 und wird gemeinsam mit den Organisationen Caritas, Diakoniewerk, Hilfswerk und der Pflegeberatung des Landes Salzburg umgesetzt. Das Demenz Service Salzburg verfolgt das Ziel der Prävention pflegender Angehöriger durch Beratungen, Vorträge und Angehörigenkurse. Konkret umfasst das Projekt 4 kostenlose Maßnahmen: Demenz-Telefon, Demenzberatung, Informationsveranstaltungen und Kurse sowie die Koordinationsstelle. Letzteres ist die Projektleitung sowie Budgetverwaltung und die erste Anlaufstelle für pflegende Angehörige. Darüber hinaus beinhaltet sie die Organisation, Abrechnung und Evaluation der Angebote und dient als Informationsdrehscheibe für Stakeholder aus dem intra- und extramuralen Bereich.
Alle Angebote des Demenz Service Salzburg wurden multiperspektivisch und methodisch von Jänner 2022 bis Februar 2024 durch das Institut für Gesundheitsförderung und Prävention GmbH (IfGP) evaluiert. Dabei kamen insgesamt 3 Instrumente zum Einsatz: standardisierte und quantitative Fragebögen, Telefoninterviews (Leitfadeninterviews) und eine Fokusgruppe. Im Vergleich des Jahres 2022 mit 2023 zeigt sich, dass alle Angebote im steigenden Ausmaß in Anspruch genommen wurden. Zum Beispiel konnten 2022 bei insgesamt 31 Veranstaltungen mehr als 450 Teilnehmer:innen gezählt werden. Im Vergleich dazu zeigt sich bei 44 Angeboten, die im Jahr 2023 bereitgestellt wurden, eine Verdoppelung der Teilnehmer:innen auf nahezu 1.100. Auffallend dabei ist der überwiegend weibliche Anteil der Interessierten (Österreichische Gesundheitskasse 2024).
Im Bereich Pflege und Betreuung nehmen Menschen mit demenziellen Erkrankungen einen hohen Stellenwert ein. Dementsprechend sind Betreuungsangebote sowie Maßnahmen zur Enttabuisierung und Hilfe zur Selbsthilfe bereits flächendeckend und bedarfsorientiert ausgebaut. Als Steuerungsinstrument für die Planung zukünftiger Anforderungen dient unter anderem die Plattform Pflege II, die in der ersten Version bereits im Herbst 2018 durch Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer ins Leben gerufen wurde. In diesem Forum kommen Vertreter:innen aus Politik, Verwaltung, Expertinnen und Experten und Stakeholder aus Bereichen der Pflege mit dem Ziel zusammen, die Pflege und Betreuung nachhaltig sicherzustellen (Land Salzburg 2022). Dieser multiprofessionelle Ansatz bietet die Chance, Bedarfe zu erfassen und geeignete Maßnahmen zu planen. Eine weitere Herausforderung zeigt sich in Hinblick auf die steigende Nachfrage nach medizinischer Abklärung und Therapie – und dies in Einklang mit verfügbaren Ressourcen, insbesondere an den Standorten der Gedächtnisambulanzen (Universitätsklinikum Salzburg et al. 2024).
Der Fokus liegt neben der Verbesserung des Zugangs zur medizinischen Demenzabklärung und therapeutischen Begleitung auf einer bedarfsorientierten Versorgung von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen und der Entlastung des pflegenden sozialen Umfeldes. Im Rahmen der bereits erwähnten Plattform Pflege II (2022) wurde als Antwort auf die fehlenden Ressourcen von Mitarbeiter:innen im Pflegebereich ein umfassendes Maßnahmenpaket geschnürt, einerseits zur Attraktivierung des Pflegeberufes und andererseits, um Pflegepersonen zu entlasten und somit die Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern. Mit Dezember 2025 werden die Bemühungen, das Berufsbild der Pflege weiterhin zu stärken, mit der Neuauflage der Pflegereform III weiter verfolgt. Als weiterer Ansatz zur Berücksichtigung des besonderen Bedarfs von Menschen mit Demenz in der Langzeitpflege sowie zur Entlastung pflegender Angehöriger wurden gesetzliche Rahmenbedingungen zur Verbesserung der Strukturqualität geschaffen. Eine Verordnung der Salzburger Landesregierung regelt in diesem Sinne seit 2015 die Richtlinien für die Errichtung, Ausstattung und den Betrieb bestehender und somit auch zukünftiger Senioren- und Seniorenpflegeheimen sowie Tageszentren (Bundeskanzleramt der Republik Österreich 2024).
Literaturangaben befinden sich im Kurzbericht Umsetzung der österreichischen Demenzstrategie in den Bundesländern.
Umsetzungen