Oberösterreich
Autoren: Daniel Raus, Matthias Bertleff
In Oberösterreich leben derzeit rund 22.000 Menschen mit einer medizinisch diagnostizierten Demenzerkrankung; rund 5.600 davon sind Bewohner:innen in Alten- und Pflegeheimen, was rund der Hälfte aller Heimbewohner:innen entspricht.
Oberösterreich geht mit dem Netzwerk DEMENZ OÖ und dem Leitspruch „Demenz erkennen, ansprechen, handeln“ einen Weg mit klaren Zielen und individuell abgestimmten Leistungen.

Länderportrait
Netzwerk DEMENZ Oberösterreich Orientiert an den Zielen der österreichischen Demenzstrategie ist es in Oberösterreich in den vergangenen 10 Jahren gelungen, aus bestehenden Versorgungsangeboten und Pilotprojekten für Menschen mit Demenz das Netzwerk DEMENZ OÖ zu etablieren. Das Land Oberösterreich und die österreichischen Krankenversicherungsträger bieten im Rahmen des Netzwerks DEMENZ OÖ gemeinsam mit den oberösterreichischen Gesundheits- und Sozialleistungsanbietern ein Netz aus Demenzservicestellen in ganz Oberösterreich an. Weitere Angebote einer integrativen Demenzversorgung werden im Rahmen des Netzwerks in ausgewählten Alten- und Pflegeheimen umgesetzt. Die 7 Wirkungsziele der österreichischen Demenzstrategie sind mit einem flächendeckenden und einheitlichen Leistungsangebot im Netzwerk DEMENZ OÖ umgesetzt.
Neben dem bereits erwähnten Netzwerk DEMENZ OÖ gibt es noch zahlreiche weitere Angebote für Menschen mit Demenz und deren An- und Zugehörige:
Angebote und Dienstleistungen im Bereich Diagnostik und Therapie für Menschen mit demenziellen Erkrankungen, wie beispielsweise ein Zentrum für Altersmedizin, eine Memory-Klinik und Spezialambulanzen für Menschen mit Demenz, sind in allen Krankenanstalten mit neurologischen, psychiatrischen oder akutgeriatrischen Stationen eingerichtet. In fast allen oberösterreichischen Spitälern gibt es speziell geschulte Demenzbeauftragte, die für die Betreuung von Personen mit Gedächtnisstörungen geschult sind und andere Berufsgruppen im Spital im Umgang mit Menschen mit demenziellen Erkrankungen unterstützen.
Die Sozialberatungsstellen des Landes Oberösterreich, die Koordinatorinnen und Koordinatoren für Betreuung und Pflege sowie die Netzwerk-Hilfe-Betreuer:innen der ÖGK in Oberösterreich dienen Angehörigen und Betroffenen als Erstanlaufstelle bei Fragen zu Demenz, Pflege und Betreuung.
Beinahe jedes Alten- und Pflegeheim verfügt über demenzspezifische Angebote, die laufend ausgebaut werden. Weiters wurde für Pflegekräfte eine spezifische Weiterbildung im Bereich Demenz etabliert.
Die gemeinsam entwickelte integrierte Demenzversorgung wurde ausgebaut. Das Programm läuft derzeit an insgesamt 10 Standorten in Oberösterreich bis 2025 im Pilotbetrieb und wird bei Erfolg weiter ausgerollt.
Gruppenspezifische Angebote in Alten- und Pflegeheimen werden im Rahmen von DemenzWohngruppen für ca. 8 bis 15 Bewohner:innen zur Verfügung gestellt. Die Art der Betreuung zielt nicht auf einzelne Gruppen ab, sondern wird in der gesamten Einrichtung angeboten. Es gilt, „Normalität“ in den Alltag einfließen zu lassen. Dies erfolgt unter anderem durch Brauchtumspflege, Orientierungshilfen durch jahreszeitliche Dekoration, gemeinsames Musizieren, Arbeiten mit Bildern und Musik aus vergangenen Zeiten als biografischer Anker.
Tagesbetreuung und Tageszentren für Menschen mit Demenz, regionale Demenz-Netzwerke, Demenzaktivitäten im Netzwerk der „Gesunden Gemeinde“ und noch einige weitere Leistungen und Services runden die Angebotspalette in Oberösterreich ab.
Eine der Stärken der österreichischen Demenzstrategie liegt zweifelsfrei im Aufzeigen von Möglichkeiten, wie in den einzelnen Ländern Projekte, Programme und Strategien in die bestehende Versorgungslandschaft integriert werden können. Der strukturierte Austausch zwischen Bund, Ländern, Sozialversicherung, Interessenvertretungen, Selbsthilfe und Leistungserbringern von Demenzangeboten im Rahmen der Koordinierungsgruppe, die kürzlich überarbeitete Homepage mit Wirkungszielen, Handlungsempfehlungen, Umsetzungsbeispielen und umfangreichen Materialien bieten Forum, Raum und Best Practice zur Weiterentwicklung im Sinne von „Demenz in All Policies“ und hin zu einer demenzfreundlicheren Gesellschaft.
Die sehr gute Zusammenarbeit zwischen Sozial- und Gesundheitsbereich des Landes Oberösterreich und der österreichischen Sozialversicherung war in den letzten Jahren die Basis, um für die vielen Gesundheits- und Sozialleistungsanbieter die nötigen strukturellen und finanziellen Voraussetzungen zu schaffen, damit diese ihre hervorragende Arbeit für Menschen mit Demenz und deren An- und Zugehörigen umsetzen können. In der Zusammenarbeit aller wesentlichen Player liegt auch die Chance, künftigen Herausforderungen zu begegnen. Schwerpunkte in Oberösterreich werden dabei verstärkt auf präventions- und bewusstseinsbildenden Maßnahmen liegen, aber auch auf einer noch besseren Verankerung der bestehenden Angebote in der Bevölkerung sowie einem bedarfsgerechten Auf- und Ausbau.
Gesundheitsziele für Oberösterreich bis 2032
Die neuen Gesundheitsziele für Oberösterreich, die sich an einem ganzheitlichen Gesundheitsbegriff orientieren und das physische, psychische und soziale Wohlbefinden umfassen, haben für das Ziel 9 „Gesundheit und Lebensqualität im Alter“ eine Zieldimension integriert, welche die „Versorgung und Unterstützung von Personen mit Demenzerkrankung und deren Angehörige“ in den Fokus rückt. Damit möchten das Land OÖ und die ÖGK sicherstellen, dass bei der Umsetzung von Angeboten, Projekten und Programmen auch immer die Perspektiven Demenzprävention, Sensibilisierung für die Krankheit und die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz und deren An- und Zugehörigen berücksichtigt werden.
Da Schottland international als Vorreiter im Umgang mit Demenz gilt, besuchten im März 2024 Vertreter:innen des Landes OÖ einige Einrichtungen und Organisationen. Im Rahmen des Aufenthalts bekam die Delegation Einblick in die Demenzstrategie Schottlands. Derzeit wird geprüft, welche Maßnahmen aus der schottischen Demenzstrategie ggf. übernommen werden können und im bereits vorhandenen, gut ausgebauten Demenzangebot implementiert werden können.
Umsetzungen