Burgenland
Autorin: Daniela Strobl
Im Burgenland sind Stand 2024 mehr als 5.000 Personen an Demenz erkrankt, die Zahl wird sich bis 2025 aufgrund des demografischen Wandels verdoppeln. Die „Demenzstrategie Burgenland“ orientiert sich an den 7 Wirkungszielen der Bundesstrategie „Gut leben mit Demenz“ und basiert konkret auf folgenden 3 Zielbündeln: Es gilt, demenzgerechte Versorgungsangebote sicherzustellen und zu gestalten, das Wissen und die Kompetenz zu erweitern und zu stärken sowie die Teilhabe und Selbstbestimmung von Betroffenen und Angehörigen sicherzustellen.

Länderportrait
Durch die Beteiligung des Landes und die aktive Mitarbeit in der Bundesstrategie konnten in den vergangenen Jahren das Bewusstsein für diese Erkrankung verbessert und wichtige Maßnahmen in die Wege geleitet werden. Beispielhaft angeführt werden 3 Maßnahmen, die in den vergangenen Jahren im Burgenland umgesetzt wurden.
Fortbildungslehrgang für Pflegekräfte in der Hauskrankenpflege
Im Jahr 2018 startete ein innovativer Lehrgang für Pflege- und Betreuungspersonen mobiler Pflegedienstanbieter. Dieser „Fortbildungslehrgang Demenz“ für Mitarbeiter:innen im Bereich der mobilen Pflege und Betreuung wurde über die Arbeitsgemeinschaft der Hauskrankenpflege (ARGE HKP Burgenland) angeboten. In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule (FH) Burgenland (Standorte Eisenstadt und Pinkafeld) wurden alle Pflegefachkräfte im Umgang mit Demenz sensibilisiert und fachkundig geschult. Weitere Qualifizierungsmaßnahme wurden festgelegt und umgesetzt.
Demenzfreundliche Gemeinden
Im Juli 2021 startete das Pilotprojekt „Demenzfreundliche Gemeinden“. Pandemiebedingt wurden die Pilotphase verlängert sowie der Abschluss und die Übergabe der Plaketten zur Zertifizierung als „demenzsensible Gemeinde“ für Ende 2023 angesetzt. Das Projekt wurde von der burgenländischen Landesregierung sowie der Volkshilfe Burgenland konzipiert. Die Volkshilfe übernahm auch die Projektausführung; evaluiert wurde das Projekt von der FH Burgenland. Für das Pilotprojekt wurden die drei burgenländischen Gemeinden Unterkohlstätten, Stegersbach und Siegendorf ausgewählt, um sich als „demenzfreundliche Gemeinde“ zertifizieren zu lassen. In Form von Vorträgen, Workshops, Kaffeerunden sowie Sprechstunden basierend auf dem ersten der 3 Zielbündeln wurde die Bevölkerung informiert und sensibilisiert. Gemeinsam wurden demenzgerechte Versorgungsangebote erarbeitet und der Bevölkerung zugänglich gemacht.
Gesundheitstage Burgenland 2023
Die Gesundheitstage Burgenland, die im Herbst 2023 durch den Seniorenbeirat der burgenländischen Landesregierung in den Kulturzentren Eisenstadt, Oberschützen und Güssing stattgefunden haben, widmeten sich dem Thema Demenz. Ziel war es, der Bevölkerung einfaches Wissen zu vermitteln und den Angehörigen und Betroffenen Angebote und Möglichkeiten von Unterstützungsangeboten näherzubringen. Die Pflege von an Demenz erkrankten Personen soll so lange wie möglich zu Hause ermöglicht werden. Daher wurde das Modell der betreuenden Angehörigen im Burgenland erweitert, damit nicht nur nähere Angehörige, sondern auch Vertrauenspersonen wie zum Beispiel Nachbarinnen und Nachbarn in diesem Modell angestellt werden können. Entsprechende Entlastungsangebote und die Unterstützung durch mobile Demenzbetreuung wurden geschaffen.
Um alle Wirkungsziele der Demenzstrategie zu erfassen, gibt es ein breites Unterstützungsangebot. Die Maßnahmenpakete sind individuell auf die Bedürfnisse und die Lebenssituation der betroffenen Personen abgestimmt.
Demenzhilfe Burgenland – Mobiles Demenzteam
Die mobile Demenzhilfe startete 2008 als Pilotprojekt zur Verbesserung der Lebensqualität von Betroffenen und wurde vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz und der Volkshilfe Burgenland initiiert. Die Initiative wurde vom Land weitergeführt und mitfinanziert. Im Rahmen der mobilen Demenzhilfe können demenziell erkrankte Personen in ihrem gewohnten Umfeld fundierte gerontopsychologische Demenztestungen durch speziell ausgebildete Psychologinnen und Psychologen in Anspruch nehmen. Bei der darauffolgenden Befundbesprechung werden die erforderlichen Unterstützungsmaßnahmen unter Einbeziehung der Angehörigen abgeklärt und engmaschige beschäftigungstherapeutische Hausbesuche angeboten. Ab 2013 wurde die Demenzbetreuung in die Regelfinanzierung der mobilen Pflege- und Betreuungsdienste (Hauskrankenpflege) übernommen. Die Arbeitsgemeinschaft Hauskrankenpflege (ARGE HKP Burgenland) ist mit entsprechenden Angeboten im Burgenland flächendeckend gut aufgestellt. Die mobile Demenzbetreuung bietet eine umfassende Unterstützung, die von der medizinischen Versorgung über therapeutische Maßnahmen bis hin zur sozialen Betreuung reicht. Die betreuenden Fachkräfte arbeiten eng mit den Angehörigen zusammen, um eine individuell angepasste Pflege und Betreuung sicherzustellen. Ziel ist es, die Betroffenen so lange wie möglich in ihrem gewohnten Umfeld zu unterstützen und ihre Lebensqualität zu erhalten. Weitere Informationen gibt es auf der Website der Demenzhilfe Burgenland (http://www.demenz-hilfe.at/beratung/burgenland). Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz Im Oktober 2017 hat die Diakonie Südburgenland in Oberwart eine innovative Wohnform namens „Seniorenwohngemeinschaft Plus“ ins Leben gerufen. Angesichts der zunehmenden Bedeutung neuer Betreuungskonzepte und dem wachsenden Wunsch älterer Menschen nach einem selbstbestimmten, individuell gestalteten Leben verlagert sich der Fokus der Pflege für Personen bis zur Pflegegeldstufe 3 immer mehr von stationären Einrichtungen hin zu alternativen Wohnformen. Ziel dieser Initiative ist es, einen Wohn- und Lebensraum zu schaffen, der den besonderen Bedürfnissen von Menschen mit Demenzerkrankungen bis zur Pflegestufe 3 gerecht wird. Die Diakonie Südburgenland hat auf diese Entwicklung reagiert, indem sie betreute Wohngemeinschaften mit mobiler Pflege für Menschen mit Demenz errichtete. Auf einer Ebene befinden sich zwei Wohngemeinschaften mit jeweils 12 Bewohnerinnen und Bewohnern, wodurch insgesamt Platz für 24 Personen geschaffen wurde. Diese rund um die Uhr betreute Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz bieten eine sinnvolle Alternative zum klassischen Pflegeheim. Insbesondere in den frühen Stadien der Demenzerkrankung ermöglicht diese Wohnform den Betroffenen, ihre Selbstständigkeit und ihren Freiraum in einer heimeligen Atmosphäre lange zu bewahren. Jede Bewohnerin und jeder Bewohner hat ein eigenes Zimmer als persönlichen Rückzugsort, während sie gleichzeitig in einer Gemeinschaft leben, die sozialen Austausch und Unterstützung bietet
Durch die koordinierte Zusammenarbeit und den regelmäßigen Austausch in der Demenzstrategie mit den anderen Bundesländern finden sich immer wieder neue Ideen und Projektmöglichkeiten. Die Enttabuisierung und Sensibilisierung in der Bevölkerung zählen sicherlich zu den größten Herausforderungen. Das frühe Erkennen erster Symptome und eine korrekte Diagnosestellung sind wichtig, um rechtzeitig Unterstützung und Hilfestellung anbieten zu können. Angehörige sollen gut begleitet werden und mit verschiedenen Maßnahmen und Initiativen soll Entlastung möglich sein.
Das Burgenland befindet sich gerade in der größten Ausbauoffensive im Pflege- und Betreuungsbereich – diese erfolgt bedarfsorientiert. Dieser Ausbau wird zu Veränderungen im System führen. Diese sind notwendig, um die Pflege und Betreuung auch für die kommenden Generationen aufzustellen und finanzieren zu können. Grundsätzlich geht das Burgenland mit dem Zukunftsplan Pflege bei Pflege und Betreuung neue, innovative Wege. Hier ist auch das Thema Demenz mitberücksichtigt.
Errichtung eines Demenzzentrums
Im Südburgenland entsteht das erste Demenzzentrum des Burgenlandes. 2026 soll der Spatenstich und damit der Startschuss für die erste eigene Einrichtung speziell für Menschen mit demenziellen Erkrankungen erfolgen. Das Demenzzentrum bietet 63 Langzeitpflegeplätze. Für 8 schwerstpflegebedürftige Bewohner:innen mit Demenz steht die Pflegeoase als Wohn- und Lebensraum bereit. Das Konzept der Pflegeoase kann als gemeinsam genutzter Lebensraum betrachtet werden. Die Pflegeoase ist eine offene, großzügige Wohneinheit, die auf besondere Art und Weise gestaltet ist. Die persönlichen Wohnbereiche der Bewohner:innen mit Demenzerkrankung sind kreisförmig um die offene gemeinsame Raummitte angelegt und ermöglichen eine besondere Art der Betreuung. Das Zentrum wird vom Land Burgenland errichtet, betrieben wird das Haus von der Caritas. Mit diesem ersten burgenländischen Demenzzentrum wird im Wirkungsbereich der demenzgerechten Versorgung eine qualitativ hochwertig ausgerichtete Pflege und Betreuung angeboten und sichergestellt.
Umsetzungen
Träger: ÖGK Burgenland
Region: Burgenland
Wirkungsziel: Betroffenenzentrierte Koordination und Kooperation ausbauen
Case Management ist eine individuelle, auf die jeweilige Person zugeschnittene Einzelberatung und Unterstützung für Menschen, die wegen einer schweren Krankheit oder eines Unfalles in eine schwierige Lebenssituation geraten sind, damit alleine nicht zurechtkommen und Hilfe benötigen.
- Ein kostenloses Service für alle Versicherten der ÖGK im Burgenland.
- Verständnisvolle Ansprechpartner.
- Kompetente Informationen durch speziell ausgebildete Case Manager.
- Ein mit Ihnen vereinbartes Betreuungskonzept.
- Case Manager bauen Brücken zu anderen Institutionen.
- Hilfe zur Selbsthilfe
Träger: Land Burgenland, Trägerorganisationen für mobile Dienste/Hauskrankenpflege
Region: Burgenland
Wirkungsziele: Teilhabe und Selbstbestimmung der Betroffenen sicherstellen, Demenzgerechte Versorgungsangebote sicherstellen und gestalten, Wissen und Kompetenz stärken
Das Pilotprojekt zur Verbesserung der Lebensqualität von Betroffenen, initiiert vom
Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz und der Volkshilfe
Burgenland (2008-2009) wurde in den Jahren 2010 bis 2012 weitergeführt und maßgeblich
vom Land Burgenland mitfinanziert.
Im Rahmen dieses Projektes konnten demenziell erkrankte Personen, in ihrem gewohnten
Umfeld, fundierte gerontopsychologische Demenztestungen durch speziell ausgebildete
Psychologinnen in Anspruch nehmen.
Bei der darauffolgenden Befundbesprechung wurden die erforderlichen
Unterstützungsmaßnahmen unter Einbeziehung der Angehörigen abgeklärt und wurden
zudem engmaschige beschäftigungstherapeutische Hausbesuche durchgeführt.
Im Rahmen halbjährlicher Verlaufsuntersuchungen wurden die Testergebnisse evaluiert
und konnten, im Bedarfsfall, die betreuten Personen an Haus- bzw. Fachärzte weiter
verwiesen werden.
Zur Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung der Bevölkerung fanden begleitend
Informationsveranstaltungen statt und ergänzten wöchentliche Gedächtnistrainingsgruppen
(10x 2 Einheiten) das Angebot der mobilen Demenzbetreuung.
Ab 2013 wurde die Demenzbetreuung in die Regelfinanzierung der mobilen Pflege- und
Betreuungsdienste (Hauskrankenpflege) übernommen.
2018 wurde ein Ausbau der mobilen Demenzbetreuung seitens der Arbeitsgemeinschaft
Hauskrankenpflege (ARGE HKP Burgenland) angestrebt und wurden konkrete Vorschläge
und Konzepte seitens der teilnehmenden Trägerorganisationen zur Erweiterung der
Angebote vorgelegt.
Die Umsetzung betreffend den geplanten Ausbau der Maßnahmen werden noch diskutiert
aber soll die mobile Demenzbetreuung mit spezieller Angehörigenberatung durch die
landesweit tätigen Pflegeorganisationen weitergeführt werden.
Darüber hinaus wurde zur Steigerung der Betreuungsqualität ab Juni 2018 ein
„Demenzlehrgang“ für Pflege- und Betreuungspersonen mobiler Pflegedienstanbieter der
Arbeitsgemeinschaft Hauskrankenpflege (ARGE HKP Burgenland) angeboten. In
Zusammenarbeit mit der FH-Burgenland (Standorte Eisenstadt und Pinkafeld) wurden
Pflegefachkräfte im Umgang mit Demenz qualifiziert und sollen diese
Qualifizierungsmaßnahmen weiterhin forciert und ausgebaut werden.
Träger: Land Burgenland, Diakonie Südburgenland
Region: Burgenland
Wirkungsziel: Demenzgerechte Versorgungsangebote sicherstellen und gestalten
Diese, für das Burgenland einzigartige Wohnform, orientiert sich am Hausgemeinschaftsmodell und einer normalen Wohnumgebung in einem Mehrpersonenhaushalt. Das besondere Merkmal dieser Wohnform, stellt die Erbringung der Grund- und Behandlungspflege durch ambulante Dienste dar. In einer überschaubaren Gemeinschaft erleben Menschen Geborgenheit, Sicherheit und Normalität. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten können sich die MieterInnen an der Erledigung alltäglicher Aufgaben beteiligen (z.B. Kochen, Einkaufen etc.), wodurch individuelle Ressourcen und Fähigkeiten besonders gefördert werden. Dabei ist ganztags eine Betreuungskraft vor Ort, die bei der Bewältigung der Alltagsaktivitäten unterstützt, während in den Nachtstunden ein Nachtdienst anwesend ist. Wie zu Hause stehen verschiedene Aktivitäten am Programm (spazieren gehen, fernsehen, handarbeiten, Ruhepausen, Spiele, Musik hören etc.). Durch diese neue Form der Betreuung in familiärer Atmosphäre soll sich die Lebensqualität der Menschen deutlich verbessern.
Die Seniorenwohngemeinschaft wird vom Land Burgenland im Rahmen eines Pilotprojektes finanziell unterstützt.